Industrie pocht für Klima-Umbau auf Strompreis-Begrenzung

Bild: Screenshot digitale VIK Jahrestagung 2020

Der Industriestrompreis spiele mit Blick auf die Erreichung Klimaziele für 2050 eine "ganz entscheidende Rolle", um die dafür nötigen "transformatorischen Investitionen wirtschaftlich darstellen" zu können, mahnte auf der jüngsten "VIK Jahrestagung 2020" Covestro-CTO Klaus Schäfer. "Wir sind etwa intensiv am Thema Wasserstoff dran." Studien zeigten, so Schäfer, dass ein "Strompreis in der Gegend von 40 Euro je MWh" eine solche Transformation ermöglichen würden. Ein Strompreis, der deutlich höher läge, hätte nach Einschätzung Schäfers "aber zur Konsequenz, dass diese Industrie aus Europa abwandern würde - wir haben das im Bereich der Petrochemikalien in den letzten zehn bis 15 Jahren gesehen, dort lag die Reinvestitionsquote geringer als die Abschreibungen.

Zum einen gebe es, um die Preise für die Unternehmen im Griff zu halten, die Überlegungen etwa der Carbon Contracts for Differences, "die wir für hoch sinnvoll halten, um über den Berg zu kommen, bis die erneuerbaren Energien auf dem Kostenlevel angekommen sind, wo die Dinge von selbst funktionieren", so Schäfer. Gegenüber der ebenfalls angedachten "Carbon Border Adjustment Tax" hingegen sei man hingegen "hochskeptisch". "Hier zu Protektionismus und Abschottung zu greifen, hatte in der Vergangenheit meist negative Auswirkungen."

Tobias Ohler, Finanzvorstand bei der Wacker Chemie, schlägt ebenfalls mit Blick auf die laufenden Transformationsprozesse wie beim grünen Wasserstoff vor, sich an den Vorgaben für die Besondere Ausgleichsregelung im EEG und dem Carbon-Leakage-Schutz zu orientieren, um einen "Industriestrompreis von maximal 40 Euro pro MWh" zu bewerkstelligen. "Man könnten sich etwa eine Variante vorstellen, bei der die Bezugsberechtigten Strom einkaufen und es dann je nach Marktszenario einen Ausgleichsmechanismus gibt – in die eine oder andere Richtung –", um sicherzustellen, dass diese Preisgrenze nicht überschritten wird. Dazu bedürfe es "neuer Finanzierungsquellen", so Ohler – "und das EU-konform, es wird also nicht über einen weiteren Umlagemechanismus" gehen, sondern etwa über einen "Energie- und Klimafonds oder andere Quellen". Dabei sehe die Industrie "diesen Mechanismus in beide Richtungen". Bei Marktpreisen, die 40 Euro etwa deutlich unterschritten, müsse "eigentlich auch Geld wieder zurückfließen". Zudem müsse das System "dynamisch aufgesetzt" sein. Der Zielpreis werde "atmen" müssen - idealerweise orientiert an einem Industrieindex, der verschiedene Wettbewerbsregionen umfasse, etwa auch China, die USA oder Russland.

Als "ambitioniert" schätzte auf der VIK-Tagung Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführerin des BDEW, die Industriepreis-Marke von 40 Euro pro MWh ein, - "im Verglich zu dem, was wir heute haben". So tief anzusetzen, "das geben im Augenblick alleine die Beschaffungskosten nicht her", so Andreae.

Um die Elektrolyseure für den Hochlauf einer grünen Wasserstoffindustrie über einen günstig gehaltenen Erneuerbaren-Strompreis zu stützen, "müssen wir das Umlagensystem umbauen und hier deutliche Entlastungen vornehmen", so ihr Ansatz. "Bislang setzt die Politik auf eine Deckelung der EEG-Umlage für die nächsten zwei Jahre - wir hätten uns eine höhere Deckelung vorstellen könne", so Andreae. Insgesamt müsse das System so aufgestellt werden, "dass wir einen Aufwuchs der CO2-Bepreisung und auf der anderen Seite einen Abbau bei der EEG-Umlage bis auf Null organisieren". Hinzu komm die Stromsteuer, "die muss runter", so Andreae auf dem Online-Kongress.

Nachrichten
Artikel Redaktion EID
Artikel Redaktion EID