Wasserstoff: Welche Chancen gibt es für die Mobilität?

Mit der nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung sind die Weichen für den Markthochlauf des Energieträgers der Zukunft gestellt. In welchen Bereichen Wasserstoff schon jetzt Chancen hat, erklärt Prof. Maximilian Fichter im EID-Webcast.

Industrie, Mobilität und der Wärmemarkt sind die zentralen Felder in denen der Energieträger der Zukunft Wasserstoff zum Einsatz kommen könnte. Vor allem im Industriesektor wird Wasserstoff benötigt, um energieintensive Prozesse zu dekarbonisieren. „Für viele Hochenergieanwendungen gibt es keine Alternative zum Wasserstoff“, macht Maximilian Fichtner im EID-Webcast deutlich. Fichtner ist Professor für Festkörperchemie an der Uni Ulm und stellvertretender Direktor des Helmholz-Instituts für Elektrochemische Energiespeicherung in Ulm und außerdem Sprecher des baden-württembergischen Exzellenzclusters POLiS, in dem nach Lithium-Alternativen für Batteriespeicher geforscht wird.

 

 

 

„Die zentrale Frage ist, wie entwickeln sich die Preise“, sagt Fichtner.  Vor allem die künftige Entwicklung der CO2-Preise hat er im Blick, denn sie entscheidet darüber, ob Wasserstoff wirklich eine Alternative sein kann. „Derzeit ist der reine Wasserstoff gegenüber dem Strompreis nicht konkurrenzfähig“, so Fichtner. Das sei für den Industriebereich vielleicht gar nicht so entscheidend, denn „dort werden möglicherweise auch andere Preise bezahlt“, zudem habe sich die deutsche Industrie das Ziel gesetzt, bis spätestens 2040 klimaneutral zu sein.

Für den Mobilitätsbereich zeigt sich Fichter im Gespräch mit dem EID skeptisch. Der Wasserstoff müsse per Elektrolyse erzeugt und in der Brennstoffzelle zu Strom umgewandelt werden. „Am Ende bleibt ein Wirkungsgrad von 15 bis 18 Prozent in der mobilen Kette“, fasst Fichtner die Verluste zusammen. Dies sei bei einem reinen Elektrofahrzeug wesentlich besser. Zudem sei ein kontinuierlicher Abfall der Batteriepreise um 12 bis 15 Prozent pro Jahr zu verzeichnen. „Inzwischen sind die Batteriekosten auf 100 US-Dollar/kWh abgesunken. Auf diesem Niveau lassen sich Elektrofahrzeuge bauen, die nicht mehr teurer sind, als die Verbrenner“, sagt Fichtner.

Problematisch seien auch die hohen Fertigungskosten für Brennstoffzellenfahrzeuge. „ Der Hyundai Nexo wird für 78.000 Euro verkauft, in der Herstellung kostet das Fahrzeug aber 110.000 Euro“. Ohne Subvention durch die Hersteller sind die Fahrzeuge derzeit also gar nicht marktfähig. „Das ist wohl der Grund warum Hersteller wie Daimler Potenzial im Schwerlastverkehr sehen, aber sich aus dem Pkw-Bereich zurückziehen“, resümiert Fichtner.

Hohe Herstellungskosten, höhere Brennstoffpreise und höhere Wartungsintervalle seien derzeit die größten Hemmnisse für einen Umstieg auf die Brennstoffzellen-Technologie. In der batterieelektrischen Mobilität sind die Unterhaltskosten wesentlich geringer. Kritisch bewertet Fichtner auch die technischen Spezifikationen für Wasserstofftankstellen, die derzeit nur rund 40 Betankungsvorgänge an einem Tag ermöglichen und die aufwendigeren Logistikprozesse für die Anlieferung des Wasserstoffs an die Tankstelle.

„Wenn es gelingt, die gesamte Kette von der Wasserstoff-Erzeugung bis zur Produktion der Brennstoffzelle und der Brennstoffzellenfahrzeuge um den Faktor 3 bis 4 kostengünstiger zu machen, dann hat der Wasserstoff eine Chance“, gibt Fichtner dann aber doch Hoffnung. Dazu müssten aber auch die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. „Ich habe mit Politikern Probleme, die sagen, wir müssen technologieoffen sein aber zugleich nicht bereit sind, ihren Wählern zu erklären, dass wir für die Wasserstoffwirtschaft fünfmal so viele Windräder benötigen. Wenn man ehrlich ist, muss das zusammen genannt werden und dann lassen sich die verschiedenen Optionen auch diskutieren“, sagt Fichtner im Gespräch mit dem EID.

Mehr zum Thema Wasserstoff auf unserer Digitalkonferenz

Wo wir auf dem Weg in die Wasserstoffwirtschaft aktuell stehen, wird der EID gemeinsam mit der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ) und weiteren Schwesterpublikationen aus dem Schienen- und Personenverkehr auf einer Digitalkonferenz der DVV Media Group am 17. März erörtern. Im Rahmen der H2-Konferenz präsentieren wir Leuchtturm-Projekte, beleuchten Förderprogramme des Bundes und die Wasserstoffstrategien der Bundesregierung und der Länder und geben aktuelle Praxisbeispiele wo Wasserstoff bereits zum Einsatz kommt. Die Teilnahme ist kostenlos, aber nicht umsonst.

Mehr Informationen unter www.dvvmedia-webinar.com/wasserstoff.

Mobilität
Artikel Redaktion EID
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