BDEW will weg vom „starren Schlüssel“ beim Ladesäulen-Ausbau

Bild: ChargeX

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität kommt ins Rollen. Nach Angaben des BDEW sind aktuell 39.538 öffentliche Ladepunkte vorhanden, im Dezember 2019 waren es 24.000 und vor fünf Jahren lediglich 7.400. Rund ein Siebtel der heutigen Ladepunkte sind Schnellader. Und auch bei den privaten Wallboxen gehe es deutlich bergauf, meldet der Verband. Seit Ende November 2020 wurden über 300.000 Förderanträge gestellt. Bis zum Sommer sollen nach Verbandsangaben mehrere Hunderttausend zusätzliche private Ladepunkte entstehen. Rund 90 Prozent aller Ladevorgänge fänden zuhause oder beim Arbeitgeber statt. Es stelle sich aber die Frage, wieviel und welche öffentlichen Ladepunkte letztlich für die Elektromobilität von morgen benötigt würden. „Ein starrer Schlüssel von 1:10 Ladepunkt pro Elektroauto, wie von der EU empfohlen, greift jedenfalls zu kurz“, erklärte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

"Wir wollen ja keinen Dauer-Subventionsmarkt"

„Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist keine starre Zahl, sondern ein dynamisches System", so Andreae. Es sei "mehr als fraglich, ob wir bis 2030 eine Million Ladepunkte brauchen, denn das wäre ein Szenario, das von der überholten Voraussetzung von 900.000 Normalladepunkten mit 11 kW ausgeht". Die Ladeleistung sei aber mittlerweile fortgeschritten, immer mehr Fahrzeuge könnten also deutlich schneller laden, was sich auch auf den Ladeinfrastrukturbedarf auswirke. „Diese Dynamik müssen wir beim Ausbau berücksichtigen.“ Wichtig seien besonders das Nutzerverhalten (privates/öffentliches Laden), die Reichweite bzw.  Batteriegröße, die Art des Fahrzeugs (vollelektrisch oder hybrid) und wie sich der Markt zukünftig entwickele. „Um eine Über-Subventionierung zu vermeiden, müssen wir die Ladetechnologien der Fahrzeuge und das Ladeverhalten der E-Mobilisten im Blick behalten“, so Andreae.

Die durchschnittliche Auslastung einer öffentlichen Normalladesäule liegt nach Angaben der BDEW-Chefin lediglich bei einem Ladevorgang alle 5 Tage und bei Schnellladepunkten bei einem Vorgang alle 2 Tage. Die Kapazitäten seien damit alles andere als ausgeschöpft - und somit sei man noch weit entfernt von einem wirtschaftlichen Geschäftsmodell. „Wir wollen ja keinen Dauer-Subventionsmarkt, sondern ein marktgetriebenes Modell, was sich an den Bedürfnissen der Kunden orientiert.“

Der BDEW hat in Szenarien den Ausbaubedarf der öffentlichen Ladeinfrastruktur für 2030 mit erwarteten 10,5 Millionen Elektrofahrzeugen umrissen. Läge der Anteil der öffentlichen Ladevorgänge bei 40 Prozent (bei einer Infrastruktur von 90 Prozent Normal- und 10 Prozent Schnellladepunkten), würden rund 950.000 Ladepunkte benötigt. Bei einem Anteil von 15 Prozent jedoch nur noch 360.000. Und würde die Infrastruktur dabei aus einem Drittel Schnelladepunkten bestehen, wären lediglich 180.000 öffentliche Ladepunkte nötig.

„Wir sind an der Schwelle, an der die Elektromobilität vom Nischenphänomen zum dynamischen Markt wird. Jetzt kommt es darauf an, die Rahmenbedingungen auf eine nachhaltige Wende zur Elektromobilität auszurichten“, so Andreae. „Über den Erfolg entscheidet vor allem der private Bereich.“ Hier seien schnelle Fortschritte zu erzielen.

Der BDEW setzt darauf, alle beteiligten Akteure an einen Tisch zu bekommen - von der Energiewirtschaft über die Automobilbranche bis zu den Kommunen, der Immobilienwirtschaft und dem Handel. In einem Zehn-Punkte-Plan fordert der Verband über die Abkehr von starren Zielmarken hinaus unter anderem, Flächen bereitzustellen, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, die Förderbürokratie zu vereinfachen, aber auch, einen verlässlichen Rahmen für die Netzplanung und intelligente Steuerung zu schaffen.

Mobilität
Artikel von Klaus Lockschen
Artikel von Klaus Lockschen